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Autor Thema: Porträt über Trans*mädchen im Rhein-Main-Gebiet  (Gelesen 1201 mal)

Offline J. E.

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Liebe Userinnen und User,
Für ein Porträt im Berliner Magazin "Missy", das vierteljährlich erscheint, bin ich derzeit auf der Suche nach einer Interviewpartnerin. Daher würde ich mich freuen, wenn sich ein Transmädchen fände, das Lust hat, mir von ihrem Leben, ihrem Alltag und ein wenig auch von ihrem Umgang mit der eigenen Identität zu erzählen.
Ideal wäre es, wenn Du im Rhein-Main-Gebiet wohnst und schon diese oder kommende Woche bereit für ein Treffen wärest.

Den bisherigen Reaktionen auf Anfragen von Journalistinnen und Journalisten entnehme ich, dass eine bestimmte Perspektive auf Transidentitäten eher verpönt ist (zumindest bei denen, die sich hier am häufigsten und vehementesten zu Wort melden), daher möchte ich mein Anliegen ein wenig präzisieren: Als Transmann habe ich nicht die Absicht, meine Interviewpartnerin als "krank" oder "defizitär" darzustellen, sondern möchte die Leserinnen und Leser des Magazins eher dafür sensibilisieren, dass es auch Mädchen gibt, die nicht als solche zur Welt gekommen sind und die trotzdem eine weibliche Identität leben.

Ich würde mich daher freuen, wenn sich Menschen per Nachricht bei mir melden würden, die eine ähnliche Perspektive auf das Thema haben.

Viele Grüße aus Frankfurt, János Erkens

Offline selfmademan

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Re: Porträt über Trans*mädchen im Rhein-Main-Gebiet
« Antwort #1 am: 06.Jul 2015, 19:46 »
Transidentitäten

Kannst Du das mal genauer definieren? Was genau verstehst Du unter "Transidentitäten"? Der Begriff wird ja inflationär benutzt. Je genauer man ihn beschreiben kann bzw. eingrenzt, desto eher kann man auch eine Zielgruppe benennen und desto eher können sich Leute angesprochen fühlen.

Als Transmann habe ich nicht die Absicht, meine Interviewpartnerin als "krank" oder "defizitär" darzustellen, sondern möchte die Leserinnen und Leser des Magazins eher dafür sensibilisieren, dass es auch Mädchen gibt, die nicht als solche zur Welt gekommen sind und die trotzdem eine weibliche Identität leben.

Leben oder auch haben? Verzeih daß ich so genau nachfrage, aber mir sind durchaus Menschen begegnet, deren Identität Mann/Junge ist, die aber ab und an die weibliche Rolle leben. Oder Menschen die tatsächlich identitätstechnisch so zwischen die Stühle gefallen sind, daß sie geschlechtsvariant sind und mal so und mal so leben. Identität ist nicht gleich Rolle. Bsp: Alle Cis-Männer haben eine männliche Geschlechtsidentität, genetisch im Gehirn codiert, die Rollenerfüllung kann aber variieren, teils angeboren, teils abgeguckt und erlernt, von super männlich bis femininer Touch im Verhalten/Rolle. Das gleiche in grün bei Cis-Frauen.

Offline J. E.

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Re: Porträt über Trans*mädchen im Rhein-Main-Gebiet
« Antwort #2 am: 08.Jul 2015, 15:33 »
Hallo, Ich möchte bewusst auf eine gar zu restriktive Eingrenzung verzichten. Alle von Dir genannten Möglichkeiten sind mir willkommen.
Ich persönlich glaube weder an eine "Natürlichkeit" oder "Faktizität" der zweigeschlechtlichen Ordnung und auch nicht an "genetische Codes im Gehirn", aber meine Interviewpartnerin kann solche Erklärungen durchaus für sich benutzen, ohne dass ich despektierlich darüber schreibe.
Insofern suche ich lediglich nach einer Person, die sich als weiblich definiert, obwohl sie bei ihrer Geburt männlich zugewiesen wurde.
LG je

Offline selfmademan

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Antw:Re: Porträt über Trans*mädchen im Rhein-Main-Gebiet
« Antwort #3 am: 16.Okt 2023, 10:31 »
Ich persönlich glaube weder an eine "Natürlichkeit" oder "Faktizität" der zweigeschlechtlichen Ordnung und auch nicht an "genetische Codes im Gehirn",

Wer so etwas behauptet, ist Anhänger des Behaviorismuses und steht der These des verbrecherischen Gendervaters Dr. John Money nahe.

Erst vor wenigen Tagen erfahren, daß es eine Publikationssammlung zum Thema "Angeborenheit von TS" von über 120 Publikationen gibt. Leider hat man als Otto-Normalverbraucher keinen Zugang dazu. Und die Transgenderlobby tut alles dafür daß sowas eben nicht für jedermann zugreifbar veröffentlicht wird. Sobald ich den Link dazu weiß poste ich ihn hier.

Offline Jeanne Rising

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Antw:Re: Porträt über Trans*mädchen im Rhein-Main-Gebiet
« Antwort #4 am: 17.Okt 2023, 00:19 »
Ich persönlich glaube weder an eine "Natürlichkeit" oder "Faktizität" der zweigeschlechtlichen Ordnung und auch nicht an "genetische Codes im Gehirn",

Wer so etwas behauptet, ist Anhänger des Behaviorismuses und steht der These des verbrecherischen Gendervaters Dr. John Money nahe.


Naja das ist jetzt schon ziemlich vereinfacht. Der Behaviorismus hat seine Existenzberechtigung so wie viele andere Modelle der Wissenschaft auch. Kein Erklärungsansatz erfasst das menschliche Leben vollständig und den Einfluss des Verhaltens und der Umwelteinflüsse auf die Persönlichkeitsentwicklung zu leugnen ist genauso unfundiert wie ein Leugnen jeglicher Biologie - nicht umsonst ist die kognitive Verhaltenstherapie nachwievor eines der großen, von der Krankenkasse anerkannten Verfahren der Psychotherapie. Letztlich wird die Realität immer nur durch eine differenzierte Einbeziehung vieler Modelle ansatzweise stimmig abgebildet. In diesem Fall ist es sicherlich ein Stück weit ein Leugnen der Biologie, die Zweigeschlechtlichkeit völlig abzuerkennen und einfach als künstliches Konstrukt abzutun. Inwieweit sich allerdings unter Entfernung der Umwelteinflüsse wirklich all zu viele daraus resultierende "natürliche" Verhaltensweisen daraus ableiten lassen, die tatsächlich eine angeborene Veranlagung sind und nicht einfach nur ein gesellschaftliches Konstrukt, ist eine ganz andere Frage. Kaum eine Studie, die die unterschiedlichen Gehirne der Geschlechter z.B. beim bewältigen bestimmter Aufgaben untersucht, kann die Variable Umwelteinflüsse wirklich ausschließen, da sie zu dem Zeitpunkt, wo eine Person Rechenaufgaben oder ähnliches bewältigen kann, längst stattgefunden haben.
Jeanne Rising

  • 09.2014 Vorstellung in der TS-Sprechstunde LVR-Klinikum Essen
  • 01.2015 Therapie bei Herr Frommelt, Essen
  • 01.06.2015 Hormontherapie bei Dr. Lederbogen, Essen
  • 25.02.2016 Logopädie bei Frau Söllenböhmer, Essen
  • 20.01.2023 SRS und FFS bei Dr. Sutin Khobunsongserm in Bangkok, Thailand

Offline selfmademan

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Antw:Re: Porträt über Trans*mädchen im Rhein-Main-Gebiet
« Antwort #5 am: 17.Okt 2023, 19:21 »
Ich persönlich glaube weder an eine "Natürlichkeit" oder "Faktizität" der zweigeschlechtlichen Ordnung und auch nicht an "genetische Codes im Gehirn",

Wer so etwas behauptet, ist Anhänger des Behaviorismuses und steht der These des verbrecherischen Gendervaters Dr. John Money nahe.


Naja das ist jetzt schon ziemlich vereinfacht. Der Behaviorismus hat seine Existenzberechtigung so wie viele andere Modelle der Wissenschaft auch. Kein Erklärungsansatz erfasst das menschliche Leben vollständig und den Einfluss des Verhaltens und der Umwelteinflüsse auf die Persönlichkeitsentwicklung zu leugnen ist genauso unfundiert wie ein Leugnen jeglicher Biologie - nicht umsonst ist die kognitive Verhaltenstherapie nachwievor eines der großen, von der Krankenkasse anerkannten Verfahren der Psychotherapie. Letztlich wird die Realität immer nur durch eine differenzierte Einbeziehung vieler Modelle ansatzweise stimmig abgebildet. In diesem Fall ist es sicherlich ein Stück weit ein Leugnen der Biologie, die Zweigeschlechtlichkeit völlig abzuerkennen und einfach als künstliches Konstrukt abzutun. Inwieweit sich allerdings unter Entfernung der Umwelteinflüsse wirklich all zu viele daraus resultierende "natürliche" Verhaltensweisen daraus ableiten lassen, die tatsächlich eine angeborene Veranlagung sind und nicht einfach nur ein gesellschaftliches Konstrukt, ist eine ganz andere Frage. Kaum eine Studie, die die unterschiedlichen Gehirne der Geschlechter z.B. beim bewältigen bestimmter Aufgaben untersucht, kann die Variable Umwelteinflüsse wirklich ausschließen, da sie zu dem Zeitpunkt, wo eine Person Rechenaufgaben oder ähnliches bewältigen kann, längst stattgefunden haben.

Hallo Johanna,

erstmal besten Dank für deinen Input.  :) Dies ermöglicht mir, etwas umfassender an die Dinge ranzugehen.