Transsexualität-NGS

Autor Thema: Dringend! Bitte um euren Rat! Weiterführende Schule...  (Gelesen 832 mal)

katsch77

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Hallo ihr Lieben,

unsere Midi (10 Jahre) wechselt demnächst in die weiterführende Schule. Nun kam bei ihr der Wunsch auf als Junge eingeschult zu werden und nun komplett den Alltag als Junge zu bestreiten.
Wir waren darauf vorbereitet und sind damit einverstanden.
Termin mit der Schulleitung steht am Dienstag an.

Nur ist es so das sie ihren Namen behalten will. Es ist ein ungewöhnlicher Name der nicht unbedingt gleich auf ein Mädchen schliessen lässt aber eigentlich ist er eindeutig weiblich.
Die Idee sich einen neuen Namen auszusuchen oder ihren Zweitnamen zu benutzen der Unisex ist lehnt sie vehemment ab.

Sie sagt auch das sie später keinen Penis möchte, sie möchte als Junge leben aber körperlich ein Mädchen/Frau bleiben.
Das war aber auch schon mal anders. Vor ein paar Jahren war sie noch der Meinung später mal eine Operation zu wollen.

Aber die Frage hat auch noch eine Weile Zeit .... aber wie gehen wir mit den Namen um...habt ihr eine Erklärung für ihr Verhalten...?

Danke euch ganz lieb vorab...
Wir stehen hier Kopf und wissen nicht was richtig...für sie..ist.
Die Therapeutin ist im Urlaub. Dann fahren wir und können in der Schule nichts mehr erreichen. Deshalb die Eile.

LG
Katrin

mihi

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Re: Dringend! Bitte um euren Rat! Weiterführende Schule...
« Antwort #1 am: 19.Jul 2015, 21:06 »
Das Problem hatte ich nicht direkt, aber vielleicht andeutungsweise, so daß ich darauf basierend meine Erfahrung schildern kann. Am Anfang, als Kind, wo ich nach dem Mädchennamen für mich gesucht habe, habe ich mir so einen Mädchen-Jungs-Doppelnamen vorgestellt, aus dem alten Jungsnamen und dem neuen Mädchennamen. Denn der Jungsname gehörte doch auch irgendwie zu mir.

Als es dann ernst wurde und um die Namensänderung ging, hätte ich zu Anfang gern den alten Jungsnamen irgendwie aufgehoben, zwar nicht als offiziellen Namen, aber doch irgendwie zu mir gehörend. Dieser Widerspruch war ein Grund (neben der Hoffnung auf einen weiteren Verfassungsgerichtsbeschluß), warum ich die Namensänderung 3 Jahre vor mir hergeschoben habe. Geldkarte und Krankenkassenkarte war alles auf den neuen Namen, aber ich besaß eben auch noch ein Dokument mit dem alten.

Mit der Zeit ist dann der Bezug zum alten Namen schwächer geworden, und dann war es kein Problem mehr, ihn abzugeben.

Die üblichen Tips, den alten Namen mit irgendeinem passenden Ritual, das man sich sucht, abzugeben, paßt in Deinem Fall nicht. Denn das Kind will sich ja gar keinen neuen suchen. Ich kann das in gewisser Weise verstehen, wie aus meinen Erfahrungen vielleicht erkennbar ist.

Wenn ich mich recht erinnere, war die Geschlechtszuordnung bei Deinem Kind auch etwas schwankend. Das ist nichts ungewöhnliches. Es gibt durchaus auch Menschen, die für sich keine so eindeutige Einordnung finden oder in verschiedenen Bereichen des Lebens eine abweichende. Mir fällt da gerade auch jemand in meinem Umfeld ein, den das betrifft (auch FzM) und der da einen Haufen innere Konflikte davon hat.

Ich denke mal, Du kannst nur versuchen, die realen Möglichkeiten mit Deinem Kind durchzusprechen. Was kann man machen - was hat das für Konsequenzen. In der Schule braucht man etwas Eindeutigkeit, da dort die Mobbinggefahr größer ist als anderswo im Leben. Also braucht ein Junge einen Jungsnamen, sonst wird er möglicherweise gehänselt. Das macht dann keinen Spaß. Man kann es nachträglich auch nicht in Ordnung bringen, da sich Namen nun mal nicht ändern. Man müßte dann die Schule wechseln. Es hängt natürlich auch davon ab, wie stark Dein Kind ist, wie es sich durchsetzen kann.

Das sind so meine Gedanken.

Mihi

Nicole0601

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Re: Dringend! Bitte um euren Rat! Weiterführende Schule...
« Antwort #2 am: 30.Jul 2015, 20:27 »
Sorry Katrin das ich es so spät lese :-(
Also ich muss da echt grübeln und gehe da mit Mihi mit.
Bei leonie ist es ja so das sie sich zu Milliarden % sicher ist und sie nichts vom Weg abbringen kann.
Das liest sich bei Dir anders Dein Kind steht irgendwie in der Mitte und weiß nicht so recht wo es hinmöchte und schwankt.
Wäre es mein Kind würde ich klipp und klar sagen das es gerade in der Schule wichtig ist einen Namen zu haben der halt als Junge identifiziert. Anna zu rufen und ein Junge kommt gerannt hmm da ist Mobbing vorprogrammiert so ist es leider und mit 10 sind Kinder noch nicht so stark und können das unbeschadet aushalten.

Leonie geht nun auch nach den Ferien aufs Gymnasium und wird als Mädchen dort eingeschult.

Ich hoffe ihr findet einen Weg es ist wirklich nicht immer einfach.

 :knuddel2: Liebe Grüsse Nicole
Glücklich ist, wer sein Schicksal nie als Schlag empfindet,
sondern als Chance, sein Leben zu gestalten.
So manches im Leben zwang mich
auf die Knie und riss mich zu boden.
So manches im Leben vergesse ich wohl nie.
Doch eines lehrte mich das Leben immer wieder neu,
es ist nicht wichtig, ob Dich etwas zu Boden drückt.
Wichtig ist, dass Du immer wieder neu das Aufstehen lernst.
Aufrecht gehen werde ich, wenn mir auch Tränen übers Gesicht laufen,
denn Tränen sind kein Zeichen von Schwäche.
Im Gegenteil - Es ist ein Zeichen von Mut, den Anderen zu zeigen, was man fühlt...

katsch77

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Re: Dringend! Bitte um euren Rat! Weiterführende Schule...
« Antwort #3 am: 02.Aug 2015, 08:40 »
Ich danke euch für eure Antworten. Kurzer Zwischenbericht aus dem Urlaub.
Ich hatte bis eben nur Mihi's Antwort gelesen. Als Mädchen eingeschult zu werden kam für unser Kind überhaupt nicht in Frage. Midi hat dann mit der großen Schwester nochmals Namensbücher geblättert und sich einen völlig neuen, bis dato nicht im Raum stehenden Namen ausgesucht (also wieder etwas verwirrend). Wobei wir auch den alten Mädchennamen genommen hätten da wir bestärkt wurden das den fast keiner kennt und Unisex klingt.  Aber wir haben die Entscheidung ihm überlassen. Und Tadaaa ..... nun läuft auf seinen Wunsch hin alles im neuen eindeutigen Jungennamen mit dem entsprechenden Pronomen. Und wir haben den Eindruck das eine Last von ihm abgefallen ist...er wirkt selbstbewusster und glücklicher.

An die Gedchlechtsvarianz hatte ich auch schon gedacht. Habe mir nochmal das Buch aus dem Schrank geholt...wenn Kinder anders fühlen, aber da habe ich habe meinen Sohn so nicht
wiedergefunden. Auch wenn ich natürlich nicht in seiner Haut stecke, ich für mich sehe da keine Zweifel (mehr) und von den letzten Jahren bzw. eigentlich seit dem Kleinkindalter finde ich alles Glasklar...wobei vieles auch (leider)erst rückwirkend. Wir gehen schon länger auf ihn ein aber ich glaube dennoch etwas zu spät.
Was ich befürchte ...(er hat nur sehr, sehr wenig Selbstvertrauen, war als Kleinkind anders....da war er noch sehr selbstbewusst) das er durch uns verunsichert wurde. Er ist in allem sehr liebevoll, will keinen verletzen...etc.
Ich weiß nicht wie lange ich diskutiert habe...ach lass die Ohrringe doch drinne...die Haare doch lang....nein du musst in Freundschsftsbuch Polizistin als Berufswunsch schreiben nicht Polizist...
Und ganz viel mehr.
Wäre ich früher so informiert gewesen und hätte das Wissen was ich heute habe da schon gehabt würde ich nicht nochmal so handeln.
Oder noch einfacher...ich hätte einfach auf mein Bauchgefühl hören müssen. Nur ist das nicht immer so leicht zumal es ja auch einen Papa gibt...der auch viel wahrgenommen hat aber bis heute sich etwas schwerer tut (auch wenn er zum Glück dennoch zu ihm stand und steht).


Schön das es euch gibt   :-*

Liebe Grüße
Katrin







monamtb

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Re: Dringend! Bitte um euren Rat! Weiterführende Schule...
« Antwort #4 am: 02.Aug 2015, 13:42 »
Liebe KAtrin,

Von meiner Seite aus kann ich dir nur folgenden Rat bestätigen, den du dir ja selbst schon gabst:
Hör auf dein Bauchgefühl.

Kein Therapuet/Therapeutin oder Arzt oder ähnliches kann dir letztendlich sagen, was mit deinem Kind ist--woher denn auch. Bücher können eine Hilfe sein - sind aber keinesfalls als DIagnoseleitlinie oder ähnliches zu verstehen.

Kinder sind alle einzigartig.

Was mich sehr berührte, war eine neuere Dokumentation der BBC bei der ein seriöser Reporter ein junges Transkind und seine Familie begleitete.

Dort kam es zu folgendem Punkt:

An einem Punkt, an dem die soziale Transition vollzogen war und es nun um das Einfrieren der Pubertät ging, damit das Transmädel keine männlichen Geschmechtsmerkmale entwickelt - kam das Kind auf einmal mit der Frage:

Mama, bist du mir böse wenn ich nun doch kein Mädchen sein will???
Die Mutter war völlig fassungslos, denn was all die Jahre vorher vorgefallen war und geschah, das sprach eine absolut eindeuitge Sprache!
Sie fragte ihre Tochter und diese sagte: vielleicht kann ich ja als Junge leben - ich weiss dass Papa es nicht mag, wenn ich ein Mädchen bin.

Dies zeigte mir auf sehr eindrucksvolle Weise, wie von Fall zu Fall, die bedingungslose Liebe der Eltern zum Kind in deisem Alter einen solch gravierenden Einfluß haben kann.

Gemeinsame Gespräche versicherten dem Transmädchen, dass der Vater es absoluit genauso als Mädchen, wie als Junge lieben würde. Von da an ging der Weg geradlinig weiter zum Einfrieren der Pubertät und dann zur geschlechtsangleichenden Hormontherapie.

SOll sagen - egal wer, was oder wie euer Kind sich enmtscheidet welche Schritte zu gehen - das meiner Meinung nach einzig entscheidende ist: ihr liebt es als euer Kind - kein: euer, Junge, euer Mädchen, euer geshclechtsvariantes Kind - euer Kind - ohne wenn und aber.

Und ich denke dein Herz, dein Bauchgefühl ist der beste Gradmesser, wenn du ihm erlaubst klar zu reden - zuzulassen, was der Kopf eventuell nicht denken oder so haben möchte - einfach auf die Intuition hören, denn die ist meiner Ansicht nach jeglicher Diagnose überlegen.

Und Papas tun sich meistens schwerer - weil Sie sich in der Regel mit sich und ihren Gefühlen weniger auseinandersetzen als wir Frauen.

Ich achte auf mich, bin deswegen aber keine Heilige

April 2013: Outing 24/7
Mai 2013: Beginn Psychotherapie
Oktober 2013: Beginn Hormontherapie
15.05.2014: Personenstandsänderung
01.08.2014 SRS und Trachea Shave Dr. Chettawut/ Thailand
02.02.2015: VFS (Voice Feminisation Surgery) Yeson Voice Center Seoul, Korea
Winter 2015: FGC/FFS FACIALTEAM, Marbella, Spanien
Juli 2016: Revision Dr. Sanguan PPSI, Phuket, Thailand

Nicole0601

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Re: Dringend! Bitte um euren Rat! Weiterführende Schule...
« Antwort #5 am: 02.Aug 2015, 21:06 »
Liebe Katrin,

das klingt doch super ;-)
Ich habe Leonie auch anstubsen müssen sonst wäre sie heute noch nicht Leonie weil sie sich das alles NIEMALS getraut hätte.
Ich war die jenige die gesagt hat " SO ab dem 01.01.2014 ist Leonie am start " Natürlich vorher alles genau bedacht usw.

Genauso war ich es auch die gesagt hat " Nein damit spielen nur Mädchen"  oder " Nein was willst du damit das ist nur was für Mädchen" usw. Ich glaube nicht das es Fehler sind die wir gemacht haben es ist unwissenheit.
Wir wussten es doch nicht besser und ich in meinem Fall hatte noch NIE davor berührung mit dem Thema und dachte eher sie wird mal schwul oder so ein bunter Vogel wie Daniele von DSDS ;-)

Mach Dir keine Vorwürfe es ist doch alles auf dem richtigen Weg ;-)
Glücklich ist, wer sein Schicksal nie als Schlag empfindet,
sondern als Chance, sein Leben zu gestalten.
So manches im Leben zwang mich
auf die Knie und riss mich zu boden.
So manches im Leben vergesse ich wohl nie.
Doch eines lehrte mich das Leben immer wieder neu,
es ist nicht wichtig, ob Dich etwas zu Boden drückt.
Wichtig ist, dass Du immer wieder neu das Aufstehen lernst.
Aufrecht gehen werde ich, wenn mir auch Tränen übers Gesicht laufen,
denn Tränen sind kein Zeichen von Schwäche.
Im Gegenteil - Es ist ein Zeichen von Mut, den Anderen zu zeigen, was man fühlt...